Der Abgabetermin für diesen Glaubensimpuls war der 11. September. Dieses Datum hat sich durch den Terroranschlag auf das World Trade Center in New York vor 19 Jahren eingeprägt. Ein Ereignis, das für die Verkörperung des Bösen steht. Tausende von Menschen kamen damals ums Leben. Auch die Katastrophe im Beiruter Hafen Anfang August dieses Jahres forderte unzählige tote, verletzte und obdachlose Menschen. Finanzielle Hilfe für die Überlebenden kommt nicht an, weil korrupte Leute das Geld in die eigene Tasche stecken. Ja, überall auf der Welt werden tagtäglich Menschen gequält, gemobbt, gefoltert, geschunden, getötet.

Fast von allein stellt sich beim Bedenken dieser schrecklichen Tatsachen die Frage nach dem Bösen. Wie kann es geschehen, dass Menschen solche Gräueltaten vollbringen, derart verantwortungslos mit Menschenleben spielen, einander plagen, misshandeln, töten? Woher kommt das Böse? Eine Antwort gibt es auf diese Frage nicht, obwohl unzählige Bücher damit gefüllt sind. Und ich spüre, wie sich Ohnmacht und Hilflosigkeit breitmachen, wenn ich mir diese Frage stelle.

Kürzlich war ich im Schwarzwald, der Ort herrlicher Ferientage in meiner frühen Kindheit. Da stieg in mir eine Begebenheit auf, es muss vor über 50 Jahren gewesen sein. Vom Getränkemann, der hie und da in dem abgelegenen Ort vorbeikam, erhielt ich eine Flasche Sprudel geschenkt. Einfach so. Diese Flasche stand im Keller und zu jedem Essen holte ich sie herauf und durfte davon ein Glas trinken. Dass diese Sprudelflasche je leer geworden ist, daran mag ich mich nicht erinnern! Und dann auch dies: Meine Mutter hat im Altersheim immer wieder einmal die Gelegenheit, mit einem Velo-Tandem ein Ausfährtchen zu machen. Dieses Spezialvelo wurde dem Altersheim extra zu diesem Zweck geschenkt. Freiwillige fahren die betagten Menschen ohne Lohn, dafür mit grösstem Vergnügen zu ihnen bekannten Orten in der Umgebung. Ja, überall auf der Welt helfen tagtäglich Menschen einander, bereiten sich Freude, teilen miteinander und schenken − einfach so.

Taucht beim Bedenken dieser Tatsachen nicht die Frage nach dem Guten auf? Wie kann es geschehen, dass Menschen einander Gutes tun, Bedürfnisse erspüren, sich selbstlos einsetzen, Zeit und Fähigkeiten umsonst zur Verfügung stellen? Wer denkt darüber nach und füllt damit Bücher? Woher kommt das Gute? Ich spüre, wenn ich mir diese Frage stelle, breitet sich Freude, Belebung und Glück in mir aus.

Hie und da beginnen die Tagesgebete der Kirche mit der Formel «Guter Gott …». Was für eine Vorstellung! Gott ist wie eine Quelle, aus der das Gute quillt, und wir, wir dürfen uns bedienen und weiterschenken – einfach so.