Im Oktober war vom Vorstand des klösterlichen Freundeskreises mit viel Engagement unser jährlicher Ausflug geplant worden. Diesmal sollte es in einen Zoo gehen. Aus wohlbekannten Gründen mussten wir absagen. Und dann beim Mittagessen die Überraschung. Eine Schwester hatte den Eingang zum Speisesaal mit einer Einladung in den Kloster-Zoo dekoriert, an jedem Platz lag als Tischset ein Tierbild, Enten aus Ton «schwammen» auf dem Tisch und nach dem Essen erwartete uns ein feines Dessert. Bilder von diesem «Mini-Ausflug» verschickten wir anschliessend per WhatsApp an unsere Vorstandsmitglieder und ernteten ein begeistertes Echo. Eigentlich haben wir durch die Absage einen Mangel erlitten, doch trotzdem waren wir fähig, Freude zu verschenken.  

Tatsächlich hat der Mensch die wunderbare Eigenschaft, geben zu können, was er gar nicht besitztUnsere materiellen Vorräte, die sind begrenzt. Wenn wir Geld spenden, dann haben wir danach weniger Geld. Dasselbe gilt für Essen, Kleidung und andere Sachen. Da können wir nur so viel geben, wie wir zuvor empfangen haben. Wo es aber um die wirklich tragenden Dinge im Leben geht, wie Liebe, Freundschaft, Zuwendung, Ermutigung, Aufmerksamkeit, Begeisterung, Lebensfreude, Interesse, Trost, da können wir Menschen austeilenund zwar über das hinauswas wir empfangen haben. Hier gilt nicht mehr, je mehr wir geben, umso weniger haben wir; sondern, je mehr wir geben, umso mehr haben wir. Einen Menschen zu lieben heisst daher nicht, andere Menschen nicht mehr lieben zu können. Einen Menschen getröstet oder ermutigt zu haben bedeutet nicht, dass uns Trost und Ermutigung irgendwann ausgehen 

So besehen ist der Mensch in der Lage, aus dem Nichts etwas zu erschaffen. Dazu kommt, dass es beim Austeilen von HerzlichkeitAufmunterungFürsorgeLachenAnteilnahme und Hoffnung nur Gewinner gibt. Diejenige, die gibt, wird reicher. Derjenige, der empfängt, macht die Erfahrung, etwas bedingungslos zu empfangen. Und Dritte, die Zeugen eines solchen Vorganges sind, können sich ein Vorbild nehmen und ebenfalls beginnen zu geben.  

Eigentlich kann nur Gott aus dem Nichts etwas erschaffen. Was für ein Wunder, dass er diese Kraft auch in uns Menschen gelegt hat!